Ich ließ meinen Engel lange nicht los

Ich ließ meinen Engel lange nicht los, 
und er verarmte mir in den Armen 
und wurde klein, und ich wurde groß: 
und auf einmal war ich das Erbarmen, 
und er eine zitternde Bitte bloß. 
 
Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, – 
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand; 
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben, 
und wir haben langsam einander erkannt…
Rainer Maria Rilke
Aus der Sammlung Engellieder